Kampagne für Zivilcourage
Netzwerk häusliche Gewalt im Kreis Stade startet Mitmachaktion und plant Fotoausstellungen
Harsefeld (mf).
Sie wollen Tabus brechen und mehr Menschen für das Thema „Gewalt gegen Frauen“ sensibilsieren. Vertreter
der Kooperationspartner im Netzwerk häusliche Gewalt trafen sich Donnerstag im Harsefelder Rathaus, um den Startschuss
für die Kampagne „Der richtige Standpunkt“ zu geben: eine Mitmachaktion, die sich an alle Einwohner im Kreis
Stade richtet.
Für die Aktion kann jeder seinen Standpunkt, verarbeitet in einem selbst
gestalteten Foto, beim Netzwerk einschicken (M@il: gleichstellungsbeauftragte@landkreis-stade.de). Als Text sollte eine kurz
und knapp formulierte Ablehnung von Gewalt gegen Frauen auf dem Bild zu sehen sein. Auch die Mitglieder des Netzwerks haben ihren
Hauptgedanken künstlerisch umgesetzt. Mit den Füßen stehen sie auf dem Standpunkt: „Es gibt keine schlagenden
Argumente“ (Foto oben). Weitere rund 50 Bürger und Prominente im Kreis Stade haben sich bereits für die Kampagne
ablichten lassen, darunter Landrat Michael Roesberg, die Buxtehuder und Stader Bürgermeister Jürgen Badur und Andreas
Rieckhof. Zu sehen sein werden die Bilder von der ersten Märzwoche an in Ausstellungen in Buxtehude, Stade und Harsefeld.
Im Sommer soll eine weitere Fotoausstellung in Horneburg ihre Tore öffnen. Das TAGEBLATT präsentiert und begleitet
die Aktionen.
Hintergrund der Kampagne ist ein guter Gedanke gegen böse Bilder: „Was wir zum Teil sehen, ist schockierend“,
sagte Hans-Jürgen Detje, Kriminalbeamter und Bürgermeister von Horneburg. Der Präventionsbeauftragte der Polizeiinspektion
Stade schätzt, dass pro Jahr etwa 120 Polizeieinsätze im Landkreis häusliche Gewalt gegen Frauen zum Anlass haben. „Wir
haben wöchentlich Vorfälle, und das sind klare Straftaten, die da geschehen.“
Beweisfotos zeugen von zum Teil schweren Verletzungen, die psychischen Folgen können sie nicht
widerspiegeln. Mitunter brauche es lange, bis ein Opfer soweit sei, sich bei der Polizei zu melden. Viele würden sich lange
eine Mitschuld geben, erklärte
Renate Bergmann von der Beratungsstelle Lichtblick gegen sexuellen Missbrauch: „Sie sagen sich, 'es gehören ja
immer Zwei dazu', aber das ist ganz falsch, die Verantwortung trägt immer der Gewalttäter.“ Auch die
Scham davor, den Streit und die eigene Verletzbarkeit vor anderen einzugestehen, sei groß. „Doch diese Gewalt ist
nicht privat“,
sagte Anne Behrends, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Stade. „Und es ist nichts, was selten passiert“,
so Ursula Reinke, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Buxtehude.
Die Kampagne „Der richtige Standpunkt gegen Gewalt“ hat der Bundesverband für Frauenberatungsstellen unter der
Schirmherrschaft von Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen ins Leben gerufen. Anders als bei der bundesweiten Aktion will
das Netzwerk im Kreis Stade nicht nur eine starke Aussage und die Füße des Menschen zeigen, der dazu steht. Die Initiatoren
der Kampagne, die 2005 bereits erfolgreich die Aktion „Gewalt kommt nicht in die Tüte“ als Aufdruck auf Brötchentüten
durchführten, veröffentlichen auch ein Porträt des Menschen. „Einmischen hat etwas mit Zivilcourage zu tun,
und da gehört das Gesicht dazu“, sagte Detje.
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