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Tageblatt vom 01.02.2008
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Es gibt keine schlagenden Argumente – Netzwerk gegen häusliche Gewalt. Foto: Studio Augenblicke

Kampagne für Zivilcourage

Netzwerk häusliche Gewalt im Kreis Stade startet Mitmachaktion und plant Fotoausstellungen

Harsefeld (mf). Sie wollen Tabus brechen und mehr Menschen für das Thema „Gewalt gegen Frauen“ sensibilsieren. Vertreter der Kooperationspartner im Netzwerk häusliche Gewalt trafen sich Donnerstag im Harsefelder Rathaus, um den Startschuss für die Kampagne „Der richtige Standpunkt“ zu geben: eine Mitmachaktion, die sich an alle Einwohner im Kreis Stade richtet.

Zeigen Gesicht gegen häusliche Gewalt: Die Mitglieder des Netzwerks im Harsefelder Rathaus. Foto: Fehlbus

Zeigen Gesicht gegen häusliche Gewalt: Die Mitglieder des Netzwerks im Harsefelder Rathaus. Fotos: Studio Augenblicke, Fehlbus

Für die Aktion kann jeder seinen Standpunkt, verarbeitet in einem selbst gestalteten Foto, beim Netzwerk einschicken (M@il: gleichstellungsbeauftragte@landkreis-stade.de). Als Text sollte eine kurz und knapp formulierte Ablehnung von Gewalt gegen Frauen auf dem Bild zu sehen sein. Auch die Mitglieder des Netzwerks haben ihren Hauptgedanken künstlerisch umgesetzt. Mit den Füßen stehen sie auf dem Standpunkt: „Es gibt keine schlagenden Argumente“ (Foto oben). Weitere rund 50 Bürger und Prominente im Kreis Stade haben sich bereits für die Kampagne ablichten lassen, darunter Landrat Michael Roesberg, die Buxtehuder und Stader Bürgermeister Jürgen Badur und Andreas Rieckhof. Zu sehen sein werden die Bilder von der ersten Märzwoche an in Ausstellungen in Buxtehude, Stade und Harsefeld. Im Sommer soll eine weitere Fotoausstellung in Horneburg ihre Tore öffnen. Das TAGEBLATT präsentiert und begleitet die Aktionen.

Hintergrund der Kampagne ist ein guter Gedanke gegen böse Bilder: „Was wir zum Teil sehen, ist schockierend“, sagte Hans-Jürgen Detje, Kriminalbeamter und Bürgermeister von Horneburg. Der Präventionsbeauftragte der Polizeiinspektion Stade schätzt, dass pro Jahr etwa 120 Polizeieinsätze im Landkreis häusliche Gewalt gegen Frauen zum Anlass haben. „Wir haben wöchentlich Vorfälle, und das sind klare Straftaten, die da geschehen.“

Beweisfotos zeugen von zum Teil schweren Verletzungen, die psychischen Folgen können sie nicht widerspiegeln. Mitunter brauche es lange, bis ein Opfer soweit sei, sich bei der Polizei zu melden. Viele würden sich lange eine Mitschuld geben, erklärte Renate Bergmann von der Beratungsstelle Lichtblick gegen sexuellen Missbrauch: „Sie sagen sich, 'es gehören ja immer Zwei dazu', aber das ist ganz falsch, die Verantwortung trägt immer der Gewalttäter.“ Auch die Scham davor, den Streit und die eigene Verletzbarkeit vor anderen einzugestehen, sei groß. „Doch diese Gewalt ist nicht privat“, sagte Anne Behrends, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Stade. „Und es ist nichts, was selten passiert“, so Ursula Reinke, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Buxtehude.

Die Kampagne „Der richtige Standpunkt gegen Gewalt“ hat der Bundesverband für Frauenberatungsstellen unter der Schirmherrschaft von Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen ins Leben gerufen. Anders als bei der bundesweiten Aktion will das Netzwerk im Kreis Stade nicht nur eine starke Aussage und die Füße des Menschen zeigen, der dazu steht. Die Initiatoren der Kampagne, die 2005 bereits erfolgreich die Aktion „Gewalt kommt nicht in die Tüte“ als Aufdruck auf Brötchentüten durchführten, veröffentlichen auch ein Porträt des Menschen. „Einmischen hat etwas mit Zivilcourage zu tun, und da gehört das Gesicht dazu“, sagte Detje.

© Zeitungsverlag Krause GmbH & Co. KG

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