Tabubruch-Aktion
Erfolgreiche Aufklärung: Häusliche Gewalt war das Thema
Kreis Stade (wt). Gewalt in der Familie ist ein Thema, das gerade in ländlichen
Gebieten tabuisiert wird. Betroffene sind fast immer Frauen, und die sprechen nicht über ihr Problem, weil sie sich ihrer
Situation schämen. „Nachbarn und Verwandte dürfen vor dem Thema nicht die Augen verschließen“, fordert
die Nordkehdinger Gleichstellungsbeauftragte Helga Müller: „Aufklärung tut Not.“
Das „Netzwerk häusliche Gewalt im Landkreis Stade“ initiierte eine Reihe
von Veranstaltungen, Gottesdiensten und Info-Ständen unter dem Motto „Gewalt kommt nicht in die Tüte“.
Ziel der Aktion war, für dieses sensible Thema Öffentlichkeit herzustellen, Betroffenen Hilfestellung zu geben. Gewalt
in der Familie geht fast immer vom Ehemann oder Lebenspartner aus, Frauen sind fast immer die Opfer. „Um die Spirale der
Gewalt öffentlich zu machen und über das zu reden, was sowieso alle im Umfeld der Betroffenen wissen, habe ich mich
gerne an dieser Aktion beteiligt“, begründet Helga Müller ihr Engagement in der Samtgemeinde Nordkehdingen. Frauen,
die Opfer häuslicher Gewalt sind, fehlen häufig der Mut und die Kraft, sich ihren Mitmenschen oder den vorhandenen
Institutionen anzuvertrauen. Das erschwert natürlich die erforderliche Hilfe.
Oftmals melden sich Gewaltopfer erst, wenn die Verzweiflung so groß ist, dass die Situation unerträglich wird. „Wir
nehmen dann Kontakt auf mit den richtigen Stellen“, sagt Helga Müller: „Das geht bis hin zur direkten Vermittlung
in ein Frauenhaus. Wir machen das schnell und unbürokratisch.“
Betroffen von häuslicher Gewalt sind Frauen aus allen gesellschaftlichen Schichten, weiß Helga Müller. Sie hat
festgestellt, dass sozial schwache Familien sich häufiger an sie wenden. Besser gestellte Frauen sind besser informiert,
kennen ihre Rechte, suchen aktiv selber Hilfe.
Die Resonanz auf die Aktion „Gewalt kommt nicht in die Tüte“ war nach Einschätzung von Helga Müller
besser als erwartet, meist traf sie auf großes Interesse. Aber die Gleichstellungsbeauftragte hat auch anderes erlebt: „Einige
Männer reagierten mit Arroganz. Sie meinten, dieses Problem existiere gar nicht.“
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