zurück zurück
Tageblatt vom 21.09.05
Zu: Tageblatt online
  Frauen-Arbeitsgruppe gegen häusliche Gewalt mit männlicher Unterstützung: Anne Behrends (Kreis-Frauenbeauftragte), Gabi Schnackenberg (BISS), Hans-Jürgen Detje (Polizei), Silvia Steffens (Frauenhaus), Uschi Reinke (Frauenbeauftragte Buxtehude) und Katja Oldenburg-Schmidt (Stadt Buxtehude). Foto: Helfferich

Frauen-Arbeitsgruppe gegen häusliche Gewalt mit männlicher Unterstützung: Anne Behrends (Kreis-Frauenbeauftragte), Gabi Schnackenberg (BISS), Hans-Jürgen Detje (Polizei), Silvia Steffens (Frauenhaus), Uschi Reinke (Frauenbeauftragte Buxtehude) und Katja Oldenburg-Schmidt (Stadt Buxtehude). Foto: Helfferich

Aktion: Gewalt kommt nicht in die Tüte

Frauen-Netzwerk startet Informationskampagne mit dem Brötchenkauf

Kreis Stade (sh). Mit der Brötchentüte sollen ab Sonnabend nicht nur warme Semmeln, sondern auch ein heißes Thema auf den Frühstückstisch kommen: Gewalt in der Familie. Die kreisweite Aktion „Gewalt kommt nicht in die Tüte“ des Netzwerkes gegen häusliche Gewalt will die Öffentlichkeit sensibilisieren.

„Gewalt gibt es in vielen Familien, in allen Schichten“, sagt Gabi Schnackenberg von der Beratungs- und Interventionsstelle bei häuslicher Gewalt (BISS). Daher gehe das Thema alle Menschen an, fordert Kreis-Gleichstellungsbeauftragte Anne Behrends. So wählte das Netzwerk gegen häusliche Gewalt die Brötchentüte als alltägliches Medium, um das Tabu-Thema auf den Frühstückstisch zu bekommen. „So können wir Menschen unverfänglich an das Thema heran führen“, sagt Katja Oldenburg-Schmidt, Dezernentin im Buxtehuder Rathaus.

Als Kooperationspartner konnte das Netzwerk die Bäcker Kohrs, Hillert und Wichers gewinnen. Ihre Brötchen werden ab Sonnabend in den mit dem Slogan „Gewalt kommt nicht in die Tüte“ frisch bedruckten Tüten verkauft. „Vielleicht kommen die Menschen schon beim Bäcker darüber ins Gespräch“, hofft Schnackenberg.

Die Pädagogin zählte im Jahr 2004 157 Fälle häuslicher Gewalt in ihrer Beratungsstelle, „und die Zahl der Fälle nimmt weiter zu“. Seit gut zwei Jahren gibt es BISS. Die Beratungsstelle wurde auf Betreiben des Netzwerkes, unterstützt von den Gleichstellungsbeauftragten und der Polizei, eingerichtet, als logische Folge des Gewaltschutzgesetzes. Das ist seit Anfang 2002 in Kraft und stärkt Opfer häuslicher Gewalt, bis hin zum Platzverweis für den Täter.

„Für uns war der Tag der Verabschiedung des Gewaltschutzgesetzes ein schönes Datum“, sagt Hans-Jürgen Detje, Beauftragter für Kriminalprävention bei der Stader Polizeiinspektion. „Damit hatten wir endlich ein Instrument in der Hand für mehr Handlungsspielraum.“ 100 bis 110 Fälle laufen bei der Polizei pro Jahr auf, Detje: „Diese Straftaten sind nicht so leicht zu ahnden, da sie immer die Mithilfe des Opfers erfordern“.

Da setzt die Beratungsstelle Biss an: „Wir leisten Hilfe zur Selbsthilfe“, berichtet Schnackenberg. Sie berät die Opfer, in den meisten Fällen Frauen, welche rechtliche Schritte sie einleiten können. Oft führt der Weg ins Stader Frauenhaus, das aber meist randvoll ist. Noch immer wissen nicht alle Opfer, wo sie Hilfe finden können. Daher der Vorstoß mit der Brötchentüte.

Information
Parallel zur Tüten-Aktion wird das Netzwerk gegen häusliche Gewalt an diesem Sonnabend in Stade und am 1. Oktober in Buxtehude auf den Wochenmärkten einen Info-Stand aufstellen, selbstverständlich mit Brötchentüte. Bis Anfang November werden zudem die Kirchengemeinden Freiburg (25.9.), Heilig Geist in Stade (9.10.), St. Nikolai in Borstel (9.10.), Wilhadi in Stade (16.10.) und die Petri-Kirche in Buxtehude (6.11.) Gottesdienste zum Thema halten.

Die Beratungs- und Interventionsstelle bei häuslicher Gewalt (BISS) ist erreichbar unter Telefon 0 41 41 / 53 44 15.

© Zeitungsverlag Krause GmbH & Co. KG

nach oben nach oben
zurück zurück
Seite drucken Seite drucken
nach oben